Im chirurgischen Band seiner großen Enzyklopädie tat az-Zahrāwī etwas, das vor ihm niemand getan hatte. Er zeichnete die Instrumente. Rund zweihundert davon, mit eigener Hand abgebildet und beschrieben, damit ein Chirurg tausend Kilometer entfernt das Handwerk lernen konnte. Wissen sollte nicht im Kopf eines Einzelnen sterben. Es sollte weitergegeben werden.
Abū al-Qāsim az-Zahrāwī, im Westen Albucasis genannt, lebte von etwa 936 bis 1013 in Madīnat az-Zahrāʾ bei Córdoba, im umayyadischen al-Andalus zur Zeit von ʿAbd ar-Raḥmān III. und al-Ḥakam II. Sein Werk Kitāb at-Taṣrīf umfasste dreißig Bände. Der letzte und folgenreichste behandelte die Chirurgie.
Was darin steht, prägt die Medizin bis heute. Die Naht mit Catgut, dem resorbierbaren Faden, wird noch in jedem Operationssaal verwendet. Er beschrieb, wie man einen Blasenstein zertrümmert, ohne zu schneiden. Er entwickelte die Kauterisation, die Geburtshilfe, die Zahnheilkunde. Übersetzt von Gerhard von Cremona, blieb sein Werk für fünfhundert Jahre das wichtigste chirurgische Lehrbuch der europäischen Universitäten.
Córdoba war damals die Lampe des Wissens, mit seinen Schulen, seinen Krankenhäusern und der riesigen Bibliothek al-Ḥakams. In diesem Boden wuchs az-Zahrāwī. Und er verstand die Chirurgie als das, was sie im Kern ist, als Khidma, als Dienst. Über sein eigenes Lernen schrieb er einen Satz von großer Demut.
„Was immer ich weiß, verdanke ich allein dem unermüdlichen Lesen der Alten und dem Wunsch, sie zu verstehen, und dem habe ich die Beobachtung und Erfahrung meines ganzen Lebens hinzugefügt.“
az-Zahrāwī, Vorwort des Kitāb at-Taṣrīf
Seine Schüler warnte er vor der Selbstüberschätzung und mahnte sie zu Bedacht und zu größter Anstrengung im Dienst am Kranken.
Itqān ist ʿibāda
Die Hand, die schneidet, muss die sanfteste Hand sein. Die Chirurgie ist der unmittelbarste Dienst, den ein Arzt leisten kann, denn das Messer an den Körper eines Bruders zu legen, um ihm Schmerz zu nehmen, ist eine Amāna von höchstem Rang. az-Zahrāwī erinnert uns daran, dass Itqān, die Vollkommenheit des Handwerks, selbst eine Form der ʿibāda ist. Wer seine Arbeit mit Iḥsān verrichtet, dient damit Allah.