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Forgotten Heroes Goldenes Zeitalter

Abū Zayd al-Balkhī

„Der Arzt der Seele"

Abū Zayd al-Balkhī

Lebensdaten
gestorben 322 n. H. (934 n. Chr.)
Herkunft
Balkh · Chorasan
Fachgebiet
Psychologie & Medizin

Tausend Jahre bevor das Wort psychosomatisch existierte, behandelte ein Gelehrter aus Balkh die Seele als eigenen Gegenstand der Heilkunde.

Tausend Jahre bevor das Wort „psychosomatisch“ erfunden wurde, schrieb ein Gelehrter in Balkh einen Satz, den die Medizin erst im letzten Jahrhundert wiederentdeckt hat. Der Mensch besteht aus Körper und Seele, und keine Gesundheit ist vollständig, solange man nur den einen behandelt und die andere übergeht.

Abū Zayd al-Balkhī, gestorben 322 nach der Hidschra, war ein Universalgelehrter im wahrsten Sinn. Er war Schüler von al-Kindī, und er verfasste an die sechzig Werke, über Geografie, Medizin, Philosophie und Theologie. Erhalten ist davon fast nichts mehr. Aber sein Werk Maṣāliḥ al-Abdān wa-l-Anfus, „Das Wohl der Körper und der Seelen“, hat überlebt, und es ist eine kleine Sensation. Der erste Teil behandelt den Körper. Der zweite Teil behandelt die Seele.

Und hier wird al-Balkhī zum Pionier. Er benennt und ordnet das seelische Leiden, lange bevor irgendjemand sonst es tat. Er widmet eigene Kapitel der Angst und Panik, dem Zorn, der Trauer und Niedergeschlagenheit und den aufdringlichen Zwangsgedanken, die er waswasa nennt. Gegen die Furcht empfiehlt er, sich dem Gefürchteten schrittweise auszusetzen. Gegen die Trauer das Umlernen der inneren Gedanken. Er nennt es die Behandlung durch das Gegenteil, al-ʿilāj bi-l-ḍidd. Die moderne Psychologie kam tausend Jahre später auf dieselbe Idee und nannte sie reziproke Hemmung.

Woher hatte er diese Kategorie, die der griechischen Medizin fehlte? Aus seinem Menschenbild. Für al-Balkhī war der Mensch Körper und rūḥ, beide von Allah, beide pflegebedürftig. Das seelische Leiden brauche eine Behandlung eigener Art, eine, die der Seele entspricht. Sein berühmter Satz bringt es auf den Punkt.

„Die Religion ist die größte der Philosophien, und ein Mensch wird erst dann ein wahrer Philosoph, wenn er ein Anbeter wird.“

Abū Zayd al-Balkhī

Sein Wissen wuchs aus dem Glauben, nicht gegen ihn. Die islamische Sicht auf den Menschen schenkte ihm das Werkzeug, mit dem er die Seele überhaupt erst als Gegenstand der Heilkunde fassen konnte.

Was uns das lehrt

Die Seele gehört zur Heilkunde

Das ist die Lektion, die wir gerade neu lernen. Angst, Trauer und Zwangsgedanken sind kein Mangel an Glauben, für den man sich schämen müsste. Sie sind Zustände, die man mit Wissen und mit Gottesnähe behandelt. Seelische Gesundheit steht nicht außerhalb der Heilkunde des Islam. Sie steht in ihrem Zentrum, und ein Muslim aus Balkh hat das vor mehr als tausend Jahren aufgeschrieben.

Referenzen

  1. Abū Zayd al-Balkhī, Maṣāliḥ al-Abdān wa-l-Anfus (مصالح الأبدان والأنفس), edierte Ausgabe (Hrsg. M. ʿAshwī), Vorwort und Inhaltsverzeichnis. arabpsynet.com
  2. أبو زيد البلخي, arabischer Eintrag (gestützt auf Ibn an-Nadīm, al-Fihrist, und Yāqūt, Muʿjam al-Udabāʾ). ar.wikipedia.org
  3. Maṣāliḥ al-Abdān wa-l-Anfus, Seelen-Teil, Kapitel 5 bis 8 (Zorn, Angst, Trauer, Zwangsgedanken). arabpsynet.com
  4. Amber Haque, „Psychology from Islamic Perspective“, Journal of Religion and Health 43 (2004), S. 357 bis 377. doi.org
  5. Malik Badri, Abu Zayd al-Balkhi’s Sustenance of the Soul, IIIT (englische Übersetzung des Werks). IIIT
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