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Forgotten Heroes Spätes Erbe

Symbolbild: ein anatomisches Herz aus goldener Honigwabe auf dunkelblauem Grund

„Medizin als Gottesdienst“

Ibn Qayyim al-Jawziyya

Lebensdaten
gestorben 751 n. H. (1350 n. Chr.)
Herkunft
Damaskus
Fachgebiet
Prophetische Medizin & Fiqh

Der engste Schüler von Ibn Taymiyya schrieb aus der Zitadelle von Damaskus ein Werk über die prophetische Medizin, das Ärzte bis heute lieben.

Er war Jurist, der engste Schüler von Ibn Taymiyya, und er saß mit seinem Lehrer in der Zitadelle von Damaskus im Gefängnis. Dass ausgerechnet er unter Ärzten bis heute geliebt wird, liegt an einem Buch, das ein Teil seines großen Werks Zād al-Maʿād ist. Es heißt aṭ-Ṭibb an-Nabawī, die prophetische Medizin.

Ibn Qayyim al-Jawziyya, gestorben 751 nach der Hidschra in Damaskus, wuchs im Gelehrtenmilieu seiner Stadt auf, rund um die Madrasa al-Jawziyya, die sein Vater verwaltete und die ihm seinen Namen gab. Siebzehn Jahre lang begleitete er Ibn Taymiyya. In aṭ-Ṭibb an-Nabawī verbindet er die Überlieferung des Propheten ﷺ mit der rationalen Heilkunde, ohne dass eines das andere verdrängt.

Sein zentraler Gedanke ist von großer Klarheit. Er bekräftigt die Kette von Ursache und Wirkung, al-asbāb wa-l-musabbabāt. Das Mittel zu nehmen, sich behandeln zu lassen, widerspricht dem Tauḥīd nicht, sondern gehört zu ihm, denn Allah selbst hat das Heilmittel zu einem sabab gemacht, zu einer Ursache, die er in die Schöpfung legte. Er zitiert dazu das Wort des Propheten ﷺ: „Für jede Krankheit gibt es ein Heilmittel. Trifft das Mittel die Krankheit, so tritt Heilung ein mit der Erlaubnis Allahs.“

لِكُلِّ دَاءٍ دَوَاءٌ فَإِذَا أُصِيبَ دَوَاءُ الدَّاءِ بَرَأَ بِإِذْنِ اللَّهِ عَزَّ وَجَلَّ

Ṣaḥīḥ Muslim 2204, überliefert von Jābir

Und er ist streng in der Ethik. Wer Medizin ausübt, ohne sie gelernt zu haben, der haftet, der ist ḍāmin, verantwortlich für den Schaden seiner Hand.

aṭ-Ṭibb an-Nabawī ist dabei kein schmales Traktat, sondern ein ganzes Kompendium, verteilt auf Dutzende Kapitel. Ibn Qayyim ordnet dort weit mehr als einzelne Merksätze: die Anweisung, ein von der Pest betroffenes Land weder zu betreten noch zu verlassen, Jahrhunderte vor dem Wort Quarantäne; den Honig, den der Qurʾān als Heilmittel nennt und den er ausführlich als Nahrung, Getränk, Süßspeise und Salbe zugleich beschreibt; das Schwarzkümmelkorn, in dem laut Überlieferung Heilung für jede Krankheit außer dem Tod liegt; dazu Aderlass und Schröpfen (ḥijāma), Ernährungslehre, seelisches Leiden und die Grundregel, dass Vorbeugung der Behandlung vorausgeht. Er verwebt das mit der galenisch-avicennischen Medizin seiner eigenen Zeit und ist dabei streng in der Auswahl. Als geschulter Ḥadīth-Kritiker prüft er jede Überlieferung, die er zitiert, und sondert aus, was unter dem Volk als Prophetenmedizin kursiert, aber nicht gesichert ist.

Für Ibn Qayyim ist die Medizin des Propheten ﷺ dabei mehr als bloß nützliches Wissen unter vielen. Er schreibt in Zād al-Maʿād: „Die Medizin des Propheten ﷺ ist sicher, definitiv, entspringt der Offenbarung, der Leuchte der Prophetie und der Vollkommenheit des Verstandes. Die Medizin anderer hingegen ist größtenteils Vermutung, Annahme und Experiment.“ Wo andere Ärzte tasten und irren, ruht diese Heilkunde für ihn auf einem Grund, der nicht wankt.

In einem Satz fasst Ibn Qayyim sein ganzes Denken zusammen. Der Angelpunkt aller Wissenschaften ruht auf der Erkenntnis Allahs, Seines Gebots und Seiner Schöpfung. Die Medizin des Körpers und die Medizin des Herzens sind für ihn zwei Hälften einer einzigen Kunst. Die Heilkunde zu studieren heißt, die Schöpfung Allahs zu studieren. Wissen und Glaube sind kein Gegensatz, sie sind ein und dieselbe Bewegung des Herzens hin zu seinem Schöpfer.

Das ist die Summe seiner Lehre und vielleicht die Summe unseres Berufs. Wende das Mittel an mit allem Können, das du hast, den sabab, und wisse zugleich, wer der Heilende ist. Für uns als Mediziner ist darin alles enthalten.

Was uns das lehrt

Den sabab anwenden, den Heilenden kennen

Im Heilberuf steht damit beides fest. Die Sorgfalt der Behandlung ist kein Gegenstück zum Tawakkul, sie ist seine Ausführung, denn Allah hat das Heilmittel selbst zur Ursache gemacht. Und Ibn Qayyims Wort über die Haftung derer, die ohne Wissen behandeln, macht fachliches Können zur religiösen Pflicht: Wer Verantwortung für einen Körper übernimmt, schuldet ihm den geprüften Stand seines Fachs. Am Krankenbett fallen beide Sätze zusammen.

Referenzen

  1. Ibn al-Qayyim, gemeinsam mit Ibn Taymiyya in der Zitadelle von Damaskus inhaftiert (in getrennter Haft). Al Jazeera
  2. Lebensdaten (691 bis 751 h), Schülerschaft bei Ibn Taymiyya über siebzehn Jahre, Madrasa al-Jawziyya. Wikipedia
  3. Ibn al-Qayyim, aṭ-Ṭibb an-Nabawī (الطب النبوي), Teil von Zād al-Maʿād, Kapitel über das Verknüpfen von Ursachen mit Wirkungen. islamweb.net
  4. Sahih Muslim 2204 (لكل داء دواء فإذا أصيب دواء الداء برأ بإذن الله عز وجل), überliefert von Jābir. sunnah.com
  5. Hadith „man tatabbaba wa-lam yuʿlam minhu ṭibb fa-huwa ḍāmin“ und Ibn al-Qayyims Kommentar zur Arzthaftung. islamweb.net
  6. aṭ-Ṭibb an-Nabawī als eigenständiger, umfangreicher Teil von Zād al-Maʿād mit Dutzenden Kapiteln zu einzelnen Krankheiten, Heilmitteln und Behandlungsmethoden. Wikipedia, „Prophetic medicine“
  7. Sahih al-Bukhari 5728 (كتاب الطب): „Wenn ihr von einer Pest in einem Land hört, betretet es nicht; und wenn sie in einem Land ausbricht, in dem ihr euch befindet, verlasst es nicht“, überliefert von Usāma b. Zayd. sunnah.com
  8. Quran, Sūra an-Naḥl 16:69 (وَيَخْرُجُ مِنْ بُطُونِهَا شَرَابٌ مُخْتَلِفٌ أَلْوَانُهُ فِيهِ شِفَاءٌ لِلنَّاسِ), Honig als Heilmittel; Ibn al-Qayyims Beschreibung des Honigs als Nahrung, Getränk, Süßspeise und Salbe in aṭ-Ṭibb an-Nabawī. quran.com
  9. Sahih al-Bukhari 5688 (باب الحبة السوداء): „Im Schwarzkümmel ist Heilung für jede Krankheit außer dem Tod“, überliefert von Abū Huraira. sunnah.com
  10. Ibn al-Qayyims methodische Strenge als Ḥadīth-Kritiker, Aussonderung unter dem Volk kursierender, nicht gesicherter Prophetenmedizin-Überlieferungen. Wikipedia, „Prophetic medicine“
  11. Ibn al-Qayyim, Zād al-Maʿād, Einleitung zu aṭ-Ṭibb an-Nabawī über die Überlegenheit der Prophetenmedizin. healthymuslim.com
  12. Ibn al-Qayyim, Zād al-Maʿād (مدار العلوم كلها على معرفة الله وأمره وخلقه). islamweb.net
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