Er war Jurist, der engste Schüler von Ibn Taymiyya, und er saß mit seinem Lehrer in der Zitadelle von Damaskus im Gefängnis. Dass ausgerechnet er unter Ärzten bis heute geliebt wird, liegt an einem Buch, das ein Teil seines großen Werks Zād al-Maʿād ist. Es heißt aṭ-Ṭibb an-Nabawī, die prophetische Medizin.
Ibn Qayyim al-Jawziyya, gestorben 751 nach der Hidschra in Damaskus, wuchs im Gelehrtenmilieu seiner Stadt auf, rund um die Madrasa al-Jawziyya, die sein Vater verwaltete und die ihm seinen Namen gab. Siebzehn Jahre lang begleitete er Ibn Taymiyya. In aṭ-Ṭibb an-Nabawī verbindet er die Überlieferung des Propheten ﷺ mit der rationalen Heilkunde, ohne dass eines das andere verdrängt.
Sein zentraler Gedanke ist von großer Klarheit. Er bekräftigt die Kette von Ursache und Wirkung, al-asbāb wa-l-musabbabāt. Das Mittel zu nehmen, sich behandeln zu lassen, widerspricht dem Tauḥīd nicht, sondern gehört zu ihm, denn Allah selbst hat das Heilmittel zu einem sabab gemacht, zu einer Ursache, die er in die Schöpfung legte. Er zitiert dazu das Wort des Propheten ﷺ.
لِكُلِّ دَاءٍ دَوَاءٌ فَإِذَا أُصِيبَ دَوَاءُ الدَّاءِ بَرَأَ بِإِذْنِ اللَّهِ عَزَّ وَجَلَّ
„Für jede Krankheit gibt es ein Heilmittel. Trifft das Mittel die Krankheit, so tritt Heilung ein mit der Erlaubnis Allahs.“
Ṣaḥīḥ Muslim 2204
Und er ist streng in der Ethik. Wer Medizin ausübt, ohne sie gelernt zu haben, der haftet, der ist ḍāmin, verantwortlich für den Schaden seiner Hand.
In einem Satz fasst Ibn Qayyim sein ganzes Denken zusammen: „Der Angelpunkt aller Wissenschaften ruht auf der Erkenntnis Allahs, Seines Gebots und Seiner Schöpfung.“ Die Medizin des Körpers und die Medizin des Herzens sind für ihn zwei Hälften einer einzigen Kunst. Die Heilkunde zu studieren heißt, die Schöpfung Allahs zu studieren. Wissen und Glaube sind kein Gegensatz, sie sind ein und dieselbe Bewegung des Herzens hin zu seinem Schöpfer.
Den sabab anwenden, den Heilenden kennen
Das ist die Summe seiner Lehre und vielleicht die Summe unseres Berufs. Wende das Mittel an mit allem Können, das du hast, den sabab, und wisse zugleich, wer der Heilende ist. Für uns als Heilberufe ist darin alles enthalten.