Das muslimische Interesse an der Medizin begann früh, denn das Streben nach Wissen hat im Islam einen hohen Stellenwert. Während der Umayyadenzeit dehnte sich die Herrschaft des Islams immer weiter aus. Sie erstreckte sich von Zentralasien bis in die entlegensten Winkel Andalusiens, mit Damaskus als politischem Zentrum. Zugleich bauten die Umayyaden das Kalifat zu einem monarchischen System um: Die Führung wurde nicht mehr von der Schura gewählt, sondern innerhalb der umayyadischen Familiendynastie vererbt. Die Ära war daher von Machtkämpfen geprägt, und gerade zu Beginn hatte die Führungsebene ein auffälliges Interesse an der Wissenschaft der Toxikologie, um Widersacher durch Giftmorde auszuschalten.
Zu Beginn der Umayyadenära war die Medizinpraxis von griechischen Grundsätzen beeinflusst. Der erste umayyadische Kalif Muawiya ibn Abi Sufyan (eine unter Muslimen umstrittene politische Persönlichkeit) beschäftigte zwei christliche Ärzte aus Damaskus: Ibn Athal, einen Experten für Arzneien und Gifte, und Abu al-Hakam. Ibn Athal wurde von Muawiya eingesetzt, um politische Widersacher zu vergiften, und tatsächlich starben während seiner Amtszeit viele bedeutende Persönlichkeiten und muslimische Fürsten durch Gift. Es gab in dieser Ära aber auch Mediziner, die sich trotz Befehls der politischen Führung weigerten, Giftmorde durchzuführen, da sie dies als unvereinbar mit der medizinischen Ethik und ihrer islamischen Überzeugung sahen. Ihre moralische Aufrichtigkeit brachte ihnen großen Respekt in der Bevölkerung ein. Abu al-Hakam wiederum zeichnete sich in der Heilkunst aus und genoss das Vertrauen Muawiyas und seiner Familie, wenn es um Behandlungen ging.
An diesem Widerspruch lässt sich der rote Faden dieser Epoche greifen: Dieselbe Dynastie, die das Gift als politisches Werkzeug nutzte, schuf zugleich Krankenhäuser, Seuchenschutz und eine organisierte Gesundheitsfürsorge. Dieser Artikel folgt diesem Weg von der Hofmedizin der ersten Kalifen bis zu den Anfängen eines öffentlichen Gesundheitswesens, das durch Stiftungen allen zugänglich wurde.
Vom Hof zum Krankenhaus
Die umayyadische Ära war durch bemerkenswerte Innovationen geprägt. Der Kalif al-Walid ibn Abd al-Malik ordnete die Isolierung von Leprakranken an und errichtete im Jahr 88 AH / 707 n. Chr. das erste spezialisierte Krankenhaus der Geschichte (Bimaristan). Dort sonderte er die Leprakranken (Majdhumin) ab und ließ sie versorgen, um die Ausbreitung der Krankheit in der Bevölkerung zu verhindern.
Auch chirurgisch ist Erstaunliches überliefert. Es wird berichtet, dass Sakinah bint al-Husayn ein Geschwulst (Sul’ah) unter dem Auge hatte, das zu wachsen begann. Der Arzt Badr al-Afs schnitt die Stelle im Gesicht auf, schabte sie aus, bis der Kern des Geschwulsts freigelegt war, entfernte ihn und nähte die Blutgefäße. All das geschah ohne Anästhesie. Sakinahs Gesicht kehrte in seinen vorherigen Zustand zurück und trug nur noch die Spuren der Wunde.
Schon damals untersuchten die Ärzte das Gesicht, die Augen, die Nägel, die Zunge, den Urin und den Puls ihrer Patienten, was den Stand der Diagnostik in dieser Ära verdeutlicht. Der Kalif Umar ibn Abd al-Aziz förderte zudem medizinische Übersetzungen während seiner Regentschaft und erhöhte damit die Bedeutung der medizinischen Wissenschaften unter den Muslimen. Das Interesse wuchs spürbar, die Zahl der Medizinstudenten und -begeisterten stieg, und in allen folgenden islamischen Epochen blieb diese Wissenschaft hoch geschätzt. Der Gelehrte Ibn Abi Usaybi’a widmete den Ärzten später einen ganzen Band seines Buches „Uyun al-Anba‘ fi Tabaqat al-Atibba'“ und gab darin einen umfassenden Überblick über ihre Rollen, Innovationen und wissenschaftlichen Leistungen.
Bemerkenswert ist auch, wer diese Medizin trug: Unter den bekannten Ärzten und Übersetzern medizinischer Texte der Umayyadenzeit waren viele Christen und Juden. Das belegt die religiöse Toleranz und Offenheit der islamischen Kalifate gegenüber Gelehrten anderer Glaubensrichtungen.
Ärzte der Ära
Abd al-Malik ibn Abjar al-Kanani
Er entstammte der Linie der Banu Abjar aus dem Stamm der Kanana und war ein bekannter Arzt, der unter dem Einfluss von Umar ibn Abd al-Aziz zum Islam konvertierte. Zu jener Zeit war dieser noch Prinz, bevor er später Kalif wurde. Man verließ sich auf Ibn Abjar in medizinischen Fragen und bei der Verschreibung von Arzneien. Sufyan überlieferte von ihm den Ausspruch: „Der Magen ist das Reservoir des Körpers, und die Adern sind mit ihm verbunden. Was in ihm gesund ist, bewirkt Gesundheit, und was ungesund ist, bewirkt Krankheit.“
Ibn Athal
Ibn Athal war ein herausragender Arzt aus Damaskus und christlichen Glaubens. Muawiya wählte ihn für seine persönliche medizinische Versorgung, und er war so gefragt, dass man ihn Tag und Nacht zu Rate zog. Er galt als Experte für Arzneien aller Art, für einfache Heilmittel ebenso wie für komplex zusammengesetzte, einschließlich der Giftstoffe. Er starb während der Herrschaft Muawiyas eines gewaltsamen Todes: Überliefert ist, dass ein Verwandter des von ihm vergifteten Abd al-Rahman ibn Khalid ibn al-Walid ihn aus Rache erschlug; Muawiya belegte den Täter lediglich mit Blutgeld und kurzer Haft.
Abu al-Hakam
Abu al-Hakam war ein Arzt christlichen Glaubens, bewandert in medizinischen Behandlungsmethoden und bekannt für die Zubereitung von Arzneien. Auch ihn wählte Muawiya ibn Abi Sufyan für die medizinische Behandlung aus. Berichten zufolge lebte er ein langes Leben und wurde über hundert Jahre alt. Er verstarb während der Herrschaft von al-Walid ibn Abd al-Malik und hinterließ keine medizinischen Schriften.
al-Hakam al-Dimashqi
Sein Sohn al-Hakam trat in die Fußstapfen des Vaters, erlernte dessen Behandlungen und Praktiken und war ebenfalls in Damaskus ansässig. Auch ihm wird ein Leben von über hundert Jahren zugeschrieben, ohne Rückgang seiner geistigen Fähigkeiten oder beruflichen Fertigkeiten. Er erlebte noch die Herrschaft der Abbasiden und verstarb im Jahr 210 AH / 825 n. Chr. während des Kalifats von al-Ma’mun, ohne medizinische Werke zu hinterlassen.
Tayadhuq
Tayadhuq war ein hervorragender Arzt der frühen Umayyadenzeit, bekannt für seine außergewöhnlichen medizinischen Fähigkeiten und seine treffend gewählten Worte. Er stand unter anderem im Dienst von Hajjaj ibn Yusuf, dem bekannten umayyadischen Gouverneur im heutigen Irak. Eine Anekdote besagt, dass Hajjaj ihn eines Tages fragte: „Gibt es ein Mittel gegen das Verlangen, Lehm zu essen?“ Tayadhuq antwortete: „Entschlossenheit, genau wie eure Entschlossenheit, o Amir.“ Daraufhin warf Hajjaj den Lehm weg und ließ sich nie wieder darauf ein. Tayadhuq heilte das abnormale Verhalten des Gouverneurs also durch einen einfachen kognitiv-psychologischen Kniff.
Seine Ratschläge zur Gesundheitsprävention sind zahlreich überliefert. Er warnte vor übermäßigem Essen, da es nach seiner Auffassung Krankheiten verursachen kann. Man solle nichts essen, solange noch Essen im Magen ist, und kein Wasser zum Essen trinken, sondern erst etwa zwei Stunden danach, weil das Trinken zum Essen das Überessen fördere. Speisen, die die Zähne nicht gut kauen können, solle man meiden, da sie die Verdauung schwächen. Außerdem empfahl er körperliche Hygiene, riet davon ab, den Urin lange zurückzuhalten, und warnte vor übermäßiger sexueller Aktivität. Tayadhuq verfasste mehrere Bücher, darunter ein bedeutendes für seinen Sohn, das die Zubereitung von Arzneien sowie die Erläuterung ihrer Namen und Eigenschaften behandelt.
Masarjawayh al-Basri
Masarjawayh war ein syrisch-jüdischer Arzt aus Basra. Es wird angenommen, dass er seine Medizin in Gondischapur erlernte (einer ehemaligen medizinischen Akademie in der Region Ahwaz im heutigen Iran) und sich später in Basra niederließ, wo er während des umayyadischen Kalifats praktizierte. Er verfasste Bücher wie „Quwat al-At’ima wa Manafi’aha“ (Die Eigenschaften der Nahrungsmittel und ihre Vorteile) und „Quwat al-‚Aqaqir wa Manafi’aha“ (Die Eigenschaften der Arzneimittel und ihre Vorteile). Da er das Altsyrische wie das Arabische beherrschte, übersetzte er zur Zeit des Kalifen Marwan ibn al-Hakam den „Kunnasch“ (das medizinische Kompendium) des alexandrinischen Priesterarztes Ahrun (Aaron von Alexandria) ins Arabische. Diese Übersetzung wurde zunächst in den Staatsarchiven aufbewahrt und während der Regentschaft des Kalifen Umar ibn Abd al-Aziz zum Nutzen der Bevölkerung freigegeben. Masarjawayh verstarb im Jahr 101 AH / 720 n. Chr. Zu seinen bedeutenden Werken zählen außerdem „al-Kunnasch“ und „Ibdal al-Adwiya“ (Die Substitution von Arzneimitteln).
Die Ärztin Zaynab
Die Ausübung der Medizin war im Umayyaden-Kalifat nicht auf Männer beschränkt. Die Ärztin Zaynab aus dem Stamm der Banu Udh war berühmt für ihre Fähigkeit in der Behandlung von Augenleiden und Wunden sowie für chirurgische Eingriffe. Eine überlieferte Beschreibung rühmt sie als eine Frau, die das Lernen in vollen Zügen ausgeschöpft habe, ohne etwas zu versäumen, und deren Medizin den Lebenden nützte und „fast die Toten wieder zum Leben erweckte“. Ihr Ruf war so groß, dass Dichter sie in ihren Versen erwähnten.
Ein frühes Gesundheitswesen entsteht
Während der umayyadischen Ära wurden viele Gesundheitsmaßnahmen durchgesetzt, um die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten sowie Krankheiten und Epidemien zu bekämpfen. Dazu gehörten medizinische Behandlungen, die Förderung von Ärzten, die Übersetzung medizinischer Bücher, die Errichtung von Krankenhäusern, die Bereitstellung von Räumlichkeiten für Patienten mit Infektionskrankheiten sowie die Einrichtung von Heilbädern.
Der Kalif Marwan ibn al-Hakam war einer der ersten umayyadischen Herrscher, der den Medizinwissenschaften Vorrang einräumte; während seiner Ära wurden viele Bücher über Medizin übersetzt. Dies führte zur Bekanntheit etlicher Gelehrter auf diesem Gebiet, etwa Khalid ibn Yazid ibn Muawiya ibn Abi Sufyan, der als Erster Bücher über Medizin und Chemie übersetzen ließ.
Die Gründung der Bimaristane
Als wertvollste medizinische Innovation der Ära gilt die Errichtung der Bimaristane, der Krankenhäuser. Muawiya ibn Abi Sufyan gründete bereits im Jahr 60 AH / 679 n. Chr. ein organisiertes Krankenhaus in Damaskus in der Nähe der Umayyaden-Moschee. Das erste eigentliche Bimaristan entstand dann, wie oben beschrieben, unter al-Walid ibn Abd al-Malik im Jahr 88 AH / 707 n. Chr. Es bot medizinische Versorgung und Unterkunft für Blinde und für isolierte Leprakranke, um die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern. Zu den Krankenhäusern dieser Zeit zählte auch Dar Zaqqaq al-Qanadil in Fustat in Ägypten, das sich auf die Behandlung von Leprapatienten spezialisiert hatte.
Daneben wurden mobile Krankenhäuser entwickelt: große Zelte, in denen während der Kriege Verwundete versorgt wurden. Solche mobilen Einrichtungen entstanden auch zur Hajj-Saison. Sie waren mit medizinischen Werkzeugen, Erste-Hilfe-Mitteln und allem Notwendigen für die Patienten unter den Pilgern ausgestattet und wurden von einem Team aus Ärzten und Pflegekräften betrieben.
Heilbäder
Während des umayyadischen Kalifats wurden außerdem öffentliche Bäder zur Behandlung bestimmter Krankheiten eingerichtet. Der Geograph al-Idrisi erwähnte sie: „Sie betreten es, und sein Wasser wird durch Feuer erhitzt, und einige dieser Bäder sind: Ain Muqaw’in, Ain al-Shuraf und andere. Ihr Wasser ist das ganze Jahr über heiß, und Menschen aller Gesellschaftsschichten kommen zu ihnen, wie zum Beispiel jene, die an Lähmungen, Wunden und Krätze leiden, und sie bleiben drei Tage im Wasser, und durch die Gnade Gottes werden sie davon geheilt.“ Hieraus wird deutlich, dass die Ära darauf bedacht war, medizinische Versorgung auf mehreren Wegen bereitzustellen: durch Ärzte, durch Krankenhäuser und durch Heilbäder für die damals verbreiteten Hautkrankheiten.
Prävention nach prophetischem Vorbild
Die umayyadischen Kalifen legten großen Wert auf vorbeugende Maßnahmen zur Erhaltung der Volksgesundheit und zur Eindämmung von Krankheiten. Das reichte von persönlicher Hygiene über die Sauberkeit von Häusern und Straßen und das Pflanzen von Bäumen bis zum Rückzug in Wüsten- und Bergregionen bei Epidemien, und es schloss die Fürsorge für Soldaten, für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, für Gefangene und für Tiere ausdrücklich ein. Viele dieser Maßnahmen wurden vom Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) empfohlen und vom islamischen Recht gefördert; die Kalifen folgten diesem Ansatz.
Persönliche Hygiene
Persönliche Hygiene ist eines der wichtigsten Mittel zur persönlichen wie gemeinschaftlichen Gesundheitssicherheit, und der Prophet (Friede sei mit ihm) förderte sie ausdrücklich. Abu Huraira berichtete, dass der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) sagte: „Wenn ein Fluss vor deiner Tür wäre und du dich darin fünfmal täglich wüschest, würdest du noch Schmutz an dir bemerken?“ Sie sagten: „Nicht der geringste Schmutz würde übrig bleiben.“ Der Prophet fügte hinzu: „Das ist das Gleichnis der fünf täglichen Gebete, durch die Allah böse Taten tilgt.“ Die rituelle Waschung (Wudu) entfernt Unreinheiten und Schmutz; wird sie fünfmal täglich vollzogen, ist damit ein hohes Maß an persönlicher Hygiene zur Krankheitsvorbeugung erreicht.
Sauberkeit von Häusern und Straßen
Die Umayyaden achteten auf die Reinhaltung des Wohnumfelds, insbesondere nach Regenfällen, wenn der Schlamm vor den Häusern beseitigt werden musste. Der Gouverneur Ziyad ibn Abih pflegte nach Regen auf die Hausbesitzer zu achten: Wer den Schlamm vor seinem Haus nicht entfernte, dem wurde er ins Haus geworfen. Die Menschen reinigten daraufhin ihre Straßen von Schmutz und Abfall. Darüber hinaus schufen die Umayyaden eine Vorform dessen, was heute als Kommunalverwaltung bekannt ist, und kauften Sklaven, die damit beauftragt wurden, die Straßen von Unreinheiten und Müll zu säubern.
Umweltschutz und Landpflege
Umweltverschmutzung gehört in jeder Epoche zu den wichtigsten Gesundheitsrisiken. Die umayyadische Ära begegnete ihr mit der Urbarmachung von Land, dem Pflanzen von Bäumen und der Wiederbelebung von totem Land. Umar ibn Abd al-Aziz erließ dazu ein Dekret: „Wer totes Land bebaut, indem er darauf baut oder es kultiviert, solange es nicht aus dem Geld von Menschen stammt, die es mit eigenem Geld gekauft haben, oder wenn sie einen Teil davon beleben und einen Teil davon brachliegen lassen, werde ich ihnen das Recht gewähren, den Teil, den sie durch Bebauung oder Kultivierung belebt haben, weiter zu beleben.“ Bäume dienten dabei der Luftreinigung von Schadstoffen, und man pflanzte sie bewusst auch rund um Krankenhäuser, wegen ihrer positiven psychologischen Wirkung auf die Patienten.
Epidemien und Isolation
Die umayyadische Ära wurde nahezu zwanzigmal mit Epidemien und Seuchen konfrontiert; zu den bekanntesten gehören jene der Jahre 49 AH / 669 n. Chr., 69 AH / 688 n. Chr., 87 AH / 706 n. Chr. und 131 AH / 748 n. Chr. Einige Kalifen und Teile der Bevölkerung nutzten daher Wüsten, Berge und abgelegene Orte, um Ausbrüchen in den Städten auszuweichen. Sie folgten dabei dem Ausspruch des Propheten (Friede sei mit ihm): „Die Pest ist eine Heimsuchung, die als Strafe für die Kinder Israels oder diejenigen, die vor ihnen kamen, gesandt wurde. Wenn ihr also davon in einem Land hört, nähert euch ihm nicht; und wenn sie in einem Land auftritt, in dem ihr euch befindet, flieht nicht daraus.“ Der Prophet (Friede sei mit ihm) war damit der Erste, der die Isolation im Falle ansteckender Krankheiten formulierte, und die umayyadischen Kalifen übernahmen diesen Grundsatz in ihre Seuchenpolitik.
Gesundheitsbewusstsein im Alltag
Gesundheitsbewusstsein ist der Eckpfeiler täglicher Verhaltensmuster und wirkt wie ein Schutzschild gegen Krankheiten: Es liefert den Menschen Wissen über Ursachen, Symptome und Vorbeugung und versetzt sie in die Lage, ihre Gesundheit selbst zu schützen.
Auch hier bildete die Religion das Fundament. Allah, der Allmächtige, hat den Verzehr bestimmter Lebensmittel verboten, die der menschlichen Gesundheit schaden können, darunter Aas, Blut, Schweinefleisch und nicht geschächtetes Fleisch. Der Prophet (Friede sei mit ihm) verbot ebenfalls das Überessen. Al-Miqdam ibn Ma’dikarib al-Kindi berichtete: „Ich hörte den Gesandten Allahs (Friede sei mit ihm) sagen: ‚Der Menschensohn füllt kein Gefäß, das schlimmer wäre als sein Magen. Es genügen ihm einige Bissen, um seinen Rücken aufrecht zu halten. Wenn er mehr essen muss, dann soll ein Drittel für seine Speise, ein Drittel für sein Getränk und ein Drittel für die Luft sein.'“ Darüber hinaus ermutigte der Prophet (Friede sei mit ihm) zum Fasten mit den Worten: „Fastet, und ihr werdet gesund sein.“
Die Herrscher trugen dieses Bewusstsein in den Alltag. So wird berichtet, dass Muawiya ibn Abi Sufyan mit einem seiner Söhne und seinem Diener Ubaidullah ibn Abi Bakra zu Mittag aß. Der Sohn aß übermäßig viel, was Muawiyas Aufmerksamkeit erregte; Ubaidullah wollte dem Jungen ein Zeichen geben aufzuhören, konnte es aber nicht. Der Junge aß weiter, bis er fertig war, und klagte später gegenüber seiner Mutter über Unwohlsein. Muawiya bemerkte dazu: „Ich wusste, dass sein Essen ihn krank machen würde.“ Die Geschichte veranschaulicht, wie gesunde Essgewohnheiten damals in der Gesellschaft gefördert wurden.
Hajjaj ibn Yusuf wiederum ließ einen Araber sieben Jahre lang einsperren, weil er die Umgebung der Stadt Wasit mit seinen Abfällen verschmutzt hatte, und machte den Vorfall bekannt, um andere von ähnlichen Taten abzuhalten; ein solches Verhalten fördere eine ungesunde Kultur in der Gesellschaft. Einem neu ernannten Gouverneur erklärte Hajjaj die Beschaffenheit seines Amtsgebiets mit den Worten: „Ich habe dich zum Herrscher über ein Land mit schwarzen Felsen, Bienen und Safranpflanzen ernannt“, denn wer die lokale Umgebung versteht, versteht auch ihre Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Und als ein Araber mit ihm essen wollte, wies Hajjaj ihn an, sich vor dem Mittagessen die Hände zu waschen. Diese Anekdoten zeigen, wie selbstverständlich Hygiene und Gesundheitserziehung im Alltag verankert wurden.
Fürsorge für Gefangene und Tiere
Die Kalifen waren bestrebt, auch Gefangenen vorbeugende Gesundheitsfürsorge zu gewähren. Das zeigt sich in den Schreiben des Kalifen Umar ibn Abd al-Aziz an seine Gouverneure: „Lasst keinen muslimischen Gefangenen in Ketten, der nicht in der Lage ist, zum Gebet aufzustehen, und haltet niemanden in Haft außer jemandem, der wegen Mordes gesucht wird. Seid großzügig mit Gaben, die ihnen bei der Versorgung mit Nahrung und Kleidung helfen und sie bei guter Gesundheit erhalten. Stellt einen kleinen Geldbetrag bereit, der ihnen monatlich ausgezahlt werden kann.“ Er ordnete an, kranke Gefangene zu behandeln, und forderte angemessene Kleidung für die Jahreszeiten: „Es ist eure Pflicht, sie im Winter mit Pelz zu bekleiden und ihnen im Sommer zwei Kleidungsstücke zu geben, und so weiter, je nachdem, was in ihrem besten Interesse liegt.“ Neben der körperlichen Gesundheit widmete man auch der psychischen Verfassung der Gefangenen Aufmerksamkeit: Umar ibn Abd al-Aziz verfügte, dass die Gefangenen inspiziert, ihre Lebensumstände bewertet und sie mindestens einmal pro Woche besucht werden sollten. Damit wahrte die Ära ihre Rechte als Menschen.
Der Islam ist eine Religion der Barmherzigkeit, und die Fürsorge für Tiere gehört zu den Grundprinzipien des islamischen Rechts. Abu Huraira berichtete, dass der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Während ein Mann auf der Straße ging, wurde er sehr durstig. Er fand einen Brunnen, stieg hinein und trank daraus. Als er herauskam, sah er einen Hund, der keuchte und vor Durst den Boden leckte. Der Mann sagte zu sich selbst: ‚Dieser Hund hat genauso großen Durst, wie ich ihn hatte.‘ Also stieg er wieder in den Brunnen hinab, füllte seinen Schuh mit Wasser und gab dem Hund zu trinken. Gott war mit seiner Handlung zufrieden und belohnte ihn, indem er ihm seine Sünden vergab.“ Die umayyadische Ära folgte auch hier: Umar ibn Abd al-Aziz schrieb an einen seiner Beamten: „Bürdet niemandem ein schweres Zaumzeug auf und lasst niemanden eine schwere Last mit einem eisenbeschlagenen Pflug ziehen. Es ist bekannt geworden, dass es in Ägypten Kamele gibt, die Lasten von tausend Pfund tragen. Wenn du diesen Brief erhältst, weiß ich nicht, ob das Kamel mehr als sechshundert Pfund trägt.“ Verboten war damit alles, was die Tiere schwächen oder erschöpfen konnte.
Stiftungen als Fundament
Stiftungen (Waqf) sind ein bedeutender Aspekt islamischer Kultur und Staatsführung: eine Form freiwilliger Wohltätigkeit und sozialer Fürsorge zum Wohle der Allgemeinheit. Während der umayyadischen Ära spielten sie eine tragende Rolle für die Gesundheitsinfrastruktur. Finanzielle Zuwendungen von Wohlhabenden, darunter Herrscher, Kaufleute und Privatpersonen, flossen in den Unterhalt und Betrieb von Bimaristanen und Apotheken, in medizinisches Zubehör und in die Bezahlung des medizinischen Personals. Erst diese Stiftungen ermöglichten die Errichtung und den dauerhaften Betrieb wichtiger Gesundheitseinrichtungen.
Zugleich erfüllten sie eine umfassendere soziale Aufgabe: Sie stellten sicher, dass die Gesundheitsversorgung allen Menschen zugänglich war, unabhängig von ihrem sozialen oder wirtschaftlichen Status. Aus Stiftungsmitteln wurde die kostenlose Behandlung derer bezahlt, die sich Versorgung nicht leisten konnten. Die Praxis des Waqf war damit ein unverzichtbares Instrument der Gesundheitssicherheit dieser Ära.
Was bleibt
Die Umayyadenzeit beginnt mit einem düsteren Kapitel der Hofmedizin, dem Gift als Machtinstrument, und endet mit Einrichtungen, die bis heute nachwirken: dem ersten spezialisierten Krankenhaus der Geschichte, mobilen Lazaretten für Krieg und Pilgerfahrt, Heilbädern, einer Seuchenpolitik nach prophetischem Vorbild und einer Gesundheitsfürsorge, die ausdrücklich auch Gefangene und Tiere einschloss. Getragen wurde dieses frühe Gesundheitswesen von Ärzten unterschiedlicher Religionen, von Kalifen, die Übersetzungen und Prävention förderten, und von Stiftungen, die die Versorgung für alle öffneten. Wer nach den Wurzeln des Krankenhauses und der öffentlichen Gesundheitsvorsorge sucht, wird bereits hier fündig, ein halbes Jahrhundert bevor das Goldene Zeitalter der islamischen Medizin begann.
Quellen
- Dahmoun, Mouna (2023): Medical Scientists in the Umayyad and Abbasid Periods. Psychology and Education 60 (2), S. 2271-2286. University of MEDEA, Faculty of Human and Social Sciences, Algerien.
- Alotaibi, Mashaeh J. (2023): Means of Achieving Health Security in the Umayyad Era (41-132 AH / 661-750 AD). Information Sciences Letters 12 (8), S. 3427-3438. Department of Social Sciences, College of Education in Al-Kharj, Prince Sattam bin Abdulaziz University, Al-Kharj, Saudi-Arabien.
