Wer ihn zum ersten Mal sieht, denkt oft, er stehe vor einem Shaykh aus Damaskus und nicht vor einem Pathologie-Professor aus Chicago. Genau das ist Husain Abdul Sattar: kein Arzt, der nebenbei fromm ist, und kein Gelehrter, der nebenbei Medizin betreibt, sondern beides aus einer einzigen Wurzel.
Geboren 1972 in Chicago als Sohn pakistanischer Ärzte, studierte er an der University of Chicago von Anfang an auf zwei Gleisen: Biologie auf dem Weg zur Medizin, daneben Arabisch, Fiqh und Usūl al-Fiqh bei Gelehrten vor Ort. Mitten im Medizinstudium unterbrach er für mehrere Jahre, um in Damaskus und an traditionellen Lehrstätten in Pakistan bei großen Gelehrten zu lernen, darunter Mufti Muhammad Amin in Islamabad. 2001 kehrte er mit einer Ijāza zurück, Tasawwuf zu lehren, und schloss im selben Jahr sein Medizinstudium ab.
Auf die Frage, wie er Medizin und Dīn zusammenhält, antwortet er nicht mit Trennung, sondern mit Einheit. Seine Arbeit als Arzt sei kein Ausgleich zu seinem Glauben, sondern dessen Werkzeug: „Sieh das hier als Teil deines Dīn, nicht deiner Dunyā.“ Die Absicht dahinter vergleicht er mit einem Segel, das ständig nachjustiert werden muss, wenn der Wind sich dreht, damit man nicht vom Kurs abkommt, wenn Ehrgeiz oder Anerkennung locken. Sein Rat an junge Muslime in der Medizin lautet darum nicht, jemand anderes zu werden, sondern das, was man ist, zu vervollkommnen. Und Lehre versteht er als Vervielfältigung von Dienst: „Indem du praktizierst, dienst du deinen Patienten. Indem du lehrst, vervielfachst du diesen Dienst.“ Genau diese Haltung, direkt von seinem Lehrer in Islamabad übernommen, dessen Energie und Liebe zu den Studenten ihn geprägt hätten, trägt er bis heute in den Hörsaal: keine Notizen, kein Skript, nur der Grundsatz, dass er nichts lehrt, was er nicht aus dem Kopf erklären kann.
Vor Sattar wurde Pathologie an amerikanischen Universitäten meist als Lawine unzusammenhängender Fakten unterrichtet, auswendig zu lernen statt zu verstehen. Er drehte das um: Mechanismen statt Merklisten, ein einziges Diagramm, das ein ganzes Organsystem erklärt. 2010 bot er dafür ein Wahlfach an, dreißig Studenten wurden erwartet, neunzig kamen. Ein Jahr später nahm er im eigenen Keller mit einfachster Ausrüstung Videos dazu auf. Heute ist Pathoma aus der amerikanischen Medizinausbildung kaum wegzudenken: zusammen mit UWorld und First Aid bildet es das „UFAP“, die Methode, mit der die überwältigende Mehrheit der amerikanischen Medizinstudenten sich auf die wichtigste Prüfung ihres Studiums vorbereitet. Über sechs Millionen Videoaufrufe, fünfunddreißig Stunden, die sämtliche neunzehn Kapitel der Pathologie abdecken, und unter Studierenden schlicht als „Godfather of Pathology“ bekannt.
Husain Abdul Sattar zeigt, dass Iman und Ilm keine zwei Herren sind, zwischen denen ein Mensch sich entscheiden muss. Er hat beide mit derselben Ernsthaftigkeit erlernt und beide mit derselben Hingabe weitergegeben. Über Umwege lehrt die Klarheit und Liebe eines Lehrers aus einer pakistanischen Madrasa heute Medizinstudenten auf der ganzen Welt, wie ein Herz funktioniert. Das ist kein Zufall und keine Ausnahme, sondern der Charakter, den der Islam von seinen Wissenden verlangt: Exzellenz im Wissen, getragen von Aufrichtigkeit vor Allah. Der Prophet ﷺ sagte:
مَنْ سَلَكَ طَرِيقًا يَلْتَمِسُ فِيهِ عِلْمًا سَهَّلَ اللَّهُ لَهُ بِهِ طَرِيقًا إِلَى الْجَنَّةِ
„Wer einen Weg auf der Suche nach Wissen beschreitet, dem erleichtert Allah dadurch einen Weg ins Paradies.“
Ṣaḥīḥ Muslim 2699a
Ilm und Iman aus einer Wurzel
Sattars Leben widerlegt die falsche Wahl zwischen Glauben und Wissenschaft. Wer seine Medizin als Teil seines Dīn begreift, muss nicht weniger Arzt sein, sondern wird ein besserer, und wer sein Wissen weitergibt, vervielfacht seinen Dienst weit über den einzelnen Patienten hinaus. Genau diese Verbindung von fachlichem Können und aufrichtiger Absicht ist es, die HAKIM in den Heilberufen wiederbeleben möchte.
Möge Allah taʿālā Husain Abdul Sattars Wissen mehren, seinen Werken Aufrichtigkeit schenken und den Nutzen, den er Millionen von Menschen gebracht hat, ihm zu einer bleibenden guten Tat werden lassen. Āmīn.